Archiv der Kategorie: Wanderrudern

Rudi Meister ist verstorben.

„Ruder – Halt!“, das war das letzte Kommando für unseren Ruder-Kameraden, unser hoch geschätztes Ehrenmitglied Rudolf Meister, als er am Donnerstag, 5. Oktober 2017, mit 92 Jahren  friedlich von uns ging.
Rudi hatte immer vielfältige Interessen. Unter ihnen war die Ruderei insbesondere in den letzten Jahre von besonderer Bedeutung.
Die Kriegsereignisse und seine Gefangenschaft in Frankreich haben Rudi als jungen Mann entscheidend geprägt, aber auch seine Liebe zu unserem Nachbarland wurde bereits damals geweckt.
So war es eigentlich nicht verwunderlich, dass er am Ende der 1980er Jahre mit einer Beilage im „Schurri“ Interessente für eine 
Wanderfahrt auf der „Seine“ in Frankreich suchte und fand.
Das sollte der Grundstein für ein außerordentliches Engagement für „RRR“, Rudis-Ruder-Reisen, werden, in denen er seine Ruderkameraden fast drei Jahrzehnte lang in viele europäische Gewässer zwischen Schweden und Italien, zwischen Irland und Masuren, führte.
Nicht nur mit seinen Kurhessen lernte er Länder aus ungewöhnlicher Perspektive kennen, auch auf vielen internationalen Wanderfahrten gewann Rudi durch seine Gradlinigkeit und seine Zuverlässigkeit viele Freunde.
Rudi wir danken Dir.

Hanns-Dieter Gerdum

Reinhard Kaernbach erfüllt die Bedingungen für das DRV-Fahrtenabzeichen

Mit Abschluss der Wanderfahrt mit Reinhard Kaernbach, Rüdiger Mohstedt, Hendrik Pontoppidan, Burkhard Zellmer, Wolfgang Thümmler, Jochen Meier und Dieter Haß erfüllte Reinhard als erster Kurhesse in diesem Jahr die Bedingungen für das Fahrtenabzeichen des DRV. Herzlichen Glückwunsch!

Die Tour begann am Bootshaus. An der Stadtschleuse muss ja nun umgetragen werden. Es folgten die weiteren Fuldaschleusen Wahnhausen, Wilhelmshausen, Bonaforth, Hann.Münden und eine in Hameln. Der Bessel-RC am Wasserstraßenkreuz in Minden war das Ziel. Von dort aus sollten noch drei weitere Schleusen durchfahren werden: die Schachtschleuse und die beiden Schleusen am Mindener Hafen. Doch leider werden Ruderboote in die Schachtschleuse nicht mehr eingelassen, so dass diese interessante Runde über den Mittellandkanal unvollendet blieb.

Kennzeichnend für diese Fahrt war die große Hitze, die hohe Anforderungen stellte. Interessant war das Gespräch im letzten Quartier in Minden mit Radfahrerinnen, die von Hann.Münden in fünf Tagen Minden erreichten. Wir benötigten nur vier ab Kassel!

Dieter Haß

Schwimmwesten-Zwang

Im Rudersport 5/2017 wird berichtet, dass das WSA Koblenz für das Befahren des Lahntunnels in Weilburg und der folgenden Doppelschleuse eine Pflicht zum Tragen von Schwimmwesten beschlossen hat.
Das wirft die Frage auf, wie die Vereine – also insbesondere wir – damit unzugehen haben. Auch in den Gewässern der Schweiz besteht zum Beispiel diese Pflicht, wenn man sich zu weit vom Ufer entfernt.
Einerseits kann man die Auswahl und Beschaffung der Schwimmwesten den einzelnen Ruderinnen und Ruderern überlassen. Andererseits sind Schwimmwesten recht kostspielig, so dass es zweckmäßig sein kann, wenn die Vereine Schwimmwesten zur Ausleihe an Wanderruderer zur Verfügung stellen. Dies kann auch eine Option für Trainingsruderer in der kalten Jahreszeit sein.
Die Diskussion muss geführt werden.

Dieter Haß

Mit der Barke nach HMÜ

Fritz-Ludwig Moritzen hatte den Vorschlag gemacht, vor Schließung der Kasseler Schleuse noch einmal mit der Barke die Fulda abwärts von unserem Bootshaus nach Hann.Münden zu rudern. Nach einigem Hin und Her hatte sich dann eine zehnköpfige Mannschaft gebildet, die sich auf die Reise machte. Vor uns ruderten ca. sechzig Ruderinnen und Ruderer aus Kettwig, die eine Fulda-Weser-Wanderfahrt machten. In der Kasseler Schleuse waren wir dann beim zweiten Schleusenvorgang dabei, doch in Wahnhausen war für unsere Barke kein Platz mehr. Wir hatten es aber nicht eilig, sondern nutzten die Pause für einen Landgang, zur Nahrungsaufnahme und zum Gespräch. Eine harmonische Runde ruderte so trotz eines kleinen angedeuteten Regens und dem lauten Gesang einzelner Mitruderer bis zum MRV, wo uns der aufkommende Regen allerdings dann beim Herausholen der Barke noch einmal nass machte.

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Ein abschließendes Abendessen bei einem Griechen in der Nähe des Bootshauses gab auch Gelegenheit, sich über den gelungenen Tag noch einmal ausführlich zu unterhalten.

Neckarwanderfahrt

Von Stuttgart bis Heidelberg führte die Wanderfahrt 2016 der Di-Fr-Ruderer mit Wolfgang Thümmler, Jochen Meier, Dieter Haß und Burkhard Zellmer, die durch Reinhard Kaernbach, Gerd Leben und Rüdiger Mohrstedt ergänzt wurden. Trotz des angesagten Schlechtwetters hielten sich die Regenschauer in Grenzen. Ein kleines Gewitter verzögerte die Abfahrt in StuttgartIMG_5554, ein weiteres hielt sich bei der Ankunft in Lauffen in respektvoller Ferne.

Am ersten Abend wurden wir in Marbach von Holger Knauf durch die Schillerstadt geführt, am letzten Abend trafen wir uns mit Ellen Slenczka  und ihrem Mann Dominik in Heidelberg zu einem gemeinsamen Abendessen mit Stadtrundgang. Für den folgenden Morgen hatte Jochen Meier eine offizielle Rundfahrt mit Führung einschließlich Fahrt zum Schloss vorbereitet. Nicht zu vergessen ist ein Rundgang durch die Bootswerft Empacher bei unserem Aufenthalt in Eberbach.

 

Besprechung der Wanderruderer am 20.1. 2016

Zur Belebung des Wanderruderns in den Kasseler Rudervereinen fand auf Anregung des WRW des RKC Fritz Ludwig MORITZEN eine Besprechung der interessierten Ruderinnen aus RVC,CFRV, RGK, RKC und RVWG statt.

Es wurde vereinbart, dass Wanderrudern in den Vereinen über eine Kontaktperson in die obigen Kasseler Rudervereine übermittelt werden.

Als Ansprechpartner fungieren hier: Stephan Gerlach (RVC), Jürgen Wunstorf (CFRV), Marianne Siegner (RGK), Fritz Ludwig Moritzen (RKC) und Dieter Haß (RVWG).

Es wird unterschieden zwischen offenen und geschlossenen Fahrten:

Offene Fahrten sind solche, bei denen man zum verabredeten Zeitpunkt einfach „da“ ist .Bei offenen Veranstaltungen wird in den Vereinen mit Aushang zur Teilnahme aufgefordert, bei geschlossenen* Veranstaltungen wird ein Meldetermin und –adresse benannt.

Für geschlossene Fahrten * ist zur Teilnahme vorab einer Anmeldung bis zu einem festgelegten Meldetermin beim jeweils benannten Fahrtenleiter an die benannte Meldeadresse des Fahrtenleiters/ Organisators direkt erforderlich.

Vereinsübergreifende Teilnahmen sind nach Absprache ausdrücklich gewünscht.

Folgende Veranstaltungen sind zur Zeit in Planung:

Ostern (2tägig): Weser-Fahrt des CFRV
10.4.Anrudern Treffen Schwimmbadbrücke 10h offenen Veranstaltung aller Rudervereine
15.-17.4. HRV Wanderrudertreffen(INFO) am Edersee (Meldung dort !)
8.-14.5. Kirchboot unterer Bodensee HRV-Fahrt (Meldung dort- FL:J. Wunstorf )
25.-30.5. Dänemark-Fahrt des RKC * (FL: FL Moritzen)
5.-12.6. Warthe-Fahrt des CFRV * (FL.: J. Wunstorf)
13.-19.6. Neckarfahrt RVWG/RKC (FL: D. Haß) keine Meldung mehr möglich
9./10.7. Werra-Fahrt RVC * (FL St. Gerlach)
10.-17.9. Holland-Fahrt HRV (Meldung dort)
24.-25.9. Weser-Fahrt * Einzelheiten noch offen
7.-9.10. HRV WRT Wiesbaden (Meldung dort)

Fulda auf- oder abwärts ab Pritsche RKC um 10 Uhr mit Halt in Bergshausen oder an der Grauen Katze jeweils 1.Sonntag im April bis Oktober als offene Fahrt. Ansprechpartner sind hier Susanne und Jörg Alte-Bornholt.

Fulda abwärts über Himmelfahrt (5.5. bis max, 8. 5.) ab Vereinspritsche (Einzelheiten folgen)

Anmerkung: Zur Erleichterung der Organisation sollen die beteiligten Vereine Boote und ggf. nach Abfrage Hänger und im Bedarfsfall den Vereinsbus bereitstellen. Anfallende Kosten gehen zu Lasten der Teilnehmer; Gebühren werden nur für Kosten erhoben, die auch bei Vereinsfahrten gebührenpflichtig sind.

Kassel den 21.1.16

Reinhold Schintze und Fritz-Ludwig Moritzen

Barkenfahrt: Rudern mit Freunden auf der Oberweser

Die Teilnehmer dieser Seniorenfahrt in der Barke waren viele Jahre Vorsitzende ihrer Vereine oder zumindest im Vereinsvorstand tätig. Heute sind sie Ehrenmitglieder und/oder im Ältestenrat noch aktiv. Daneben gilt ihre besondere Liebe dem Rennrudersport, den sie jahrzehntelang erfolgreich ausüben und den sie auch noch im Lebensalter von über 70 Jahre aktiv betreiben. Sie alle verbindet eine langjährige persönliche Freundschaft, die in ihren Ämtern und im Sporttreiben – mit- und gegeneinander auf der Regattabahn – begründet liegt. Aus dieser Gemeinsamkeit entstand vor vielen Jahren der Wunsch nach einer gemeinsamen Rudertour von der einen zur anderen Heimatstadt.

Rolf Presson hat dann die Initiative ergriffen und zu einer gemeinsamen Barkenfahrt von Kassel nach Höxter eingeladen, zumal er zu dieser Zeit die Betreuung der in Kassel stationierten DRV-Barke verantwortete. Nun also die 11. Auflage dieses Treffens, nachdem im letzten Jahr aus Witterungsgründen die Fahrt kurzfristig abgesagt werden musste.

Am 11. Oktober fanden sich alle Teilnehmer beim Mündener RV ein, der ja seit einigen Jahren die „Hessen“ betreut. Das Boot wurde ruderfertig gemacht, die Formalitäten erledigt und los ging es. Während die Busbesatzung zum ersten Zwischenstopp sich nach Gieselwerder (km 28) aufmachte, hieß es zunächst vor der Mündener Schleuse auf die flussauf schleusende „EUROPA“ zu warten. Dann ging es mit leichtem Schiebewind und einer guten Fließgeschwindigkeit Weser ab. Es war an diesem Morgen mit 6° ziemlich frisch, aber zum Glück regnete es nicht. Und um warm zu werden wurde nicht nur kräftig gerudert, sondern auch an markanten Punkten auf Erlebnisse früherer Fahrten Bezug genommen. Memorierte Vergangenheit verklärt sich über die Jahrzehnte und manchmal ist das wie etwas erzählt wird spannender als das was. In Gieselwerder wurde nur für das Nötigste angehalten und der Fahrdienst ausgetauscht – aus Zeitgründen gab es die Trink- und Esspausen im Boot. Der stets auf der langen Geraden vor Bad Karlshafen gefürchtete Gegenwind blieb dieses Mal aus, allerdings fing es nach Verlassen Hessens kurz vor Beverungen leicht an zu regnen. So wurde bei Kilometer 58 nur der Wechsel des Fahrerteams vollzogen und weiter gerudert. Hinein in einen immer kräftiger werdenden Landregen, der bis zur ersehnten Pritsche des RV Höxter anhielt. Spötter meinten, man habe die letzten Kilometer bewusst schnell herunter gerudert, um so noch eine Trainingseinheit vor der Würzburger Bocksbeutelregatta einzuschalten. Letztlich waren aber alle Teilnehmer sehr froh, endlich unter der warmen Dusche zu stehen.

Nachdem das Quartier im Bootshaus bezogen war (preiswert, geräumig und sauber in Etagenbetten) wartete das gemeinsame Abendessen auf die Fahrtteilnehmer. Und da gab es viele Neuerungen: ein neues Wirtsehepaar empfing uns und es gab keine Haxe sondern Schnitzel, es gab kein Bier vom Faß sondern Flaschenbier, man saß im kleinen Klubraum statt im zu großen Saal und der Verdauer gegen Kälte und fettes Essen war ersatzlos gestrichen. Ein Fernseher stand ebenfalls nicht zur Verfügung, trotzdem siegte die DFB-Elf und wir hatten einen vergnüglichen Abend. Es gab viel zu erzählen, natürlich wurde gefrotzelt und dennoch gab es viele ernsthafte Gespräche voller großen Respekt für die Leistungen des Nachbarvereins. Auch Horst Andresens (RKC) wurde gedacht, der zu Lebzeiten diese Runde belebt hatte. Ja, und es wurde an diesem Abend noch nicht einmal Skat gespielt. Gegen 22h30 war das Licht im Schlafraum gelöscht.

Für die nächste Fahrt wurde festgelegt, sie aus Witterungsgründen möglichst in die dritte Septemberwoche zu legen. Eine Fahrt mit dem Kirchboot wurde fallen gelassen, da ja der HRV sein Wanderrudertreffen im Oktober 2014 mit Barken und Kirchbooten ab HMÜ durchführen will und Interessenten zunächst dort Erfahrungen sammeln wollten. Der Dank an Rolf für die perfekte Organisation der Fahrt wurde ebenso wenig vergessen wie die Bitte an ihn, auch die kommende Fahrt zu organisieren.

Am 12. ging es dann auf die Strecke von Höxter nach Bodenwerder. Es war ziemlich frisch an diesem Morgen, Nebel lag über dem Fluss, aber die Sonne kämpfte sich allmählich durch. So wurde dann zunächst recht ruhig im Boot der Tag begonnen und dafür gleich wieder kräftig gerudert. Der Zwischenstopp in Polle (km 92) war schnell erreicht, das Fahrerteam gewechselt und weiter ging es. Eine kluge Entscheidung, denn kurz vor dem Campingplatz in Bodenwerder (km 110) holte uns die Regenfront wieder ein. Schnell die Barke auf den Hänger gezogen, gesäubert und den Bus reisefertig gemacht. Auf den obligatorischen Kaffee mit Kuchen wurde verzichtet, denn Werner und Rolf hatten einen Schaden am Hänger bemerkt, den die Experten als möglichen Schaden der Radlager klassifizierten. Wir erreichten zum Glück den DRV-Schatzmeister und konnten ihm darüber berichten und seine Zustimmung zum Vorschlag einholen zu versuchen, den Hänger zum RV Höxter zu ziehen, um ihn dort sicher zu parken, ehe er vom Barkenbetreuer besichtigt und von ihm dann weitere Maßnahmen zu veranlassen waren. Bei dieser Fahrt erwies sich dann die örtliche Polizei als freundlicher Helfer und wir erreichten unser Ziel wohlbehalten. Allgemeine Erleichterung! Rolf war eine solche Situation in seiner Zeit als Beauftragter nicht vorgekommen, auch seinem Mündener Nachfolger noch nicht. Neuland also und er war wohl zufrieden mit unserer Vorgehensweise. Und so ging dann die Rückreise an Münden vorbei direkt nach Kassel, wo unser Bus schon vom HRV für sein Wanderrudertreffen beim CFRV erwartet wurde.

Bleibt zu hoffen, dass der Hänger mit wenig Aufwand wieder hergerichtet werden kann und künftige Ausleiher von solchen Erfahrungen verschont bleiben mögen. Torsten Gorski Dank für seine rasche Entscheidung und auch unserem Fahrer Karlheinz für sein umsichtiges Fahrverhalten.

Am Freundschaftstreffen 2013 nahmen teil:

Reinhard Kaernbach und Dieter Werbus (beide RKC), Hermann Dücker und Rudi Ernst (RV Höxter) sowie die 27er Rolf Presson (FL), Karlheinz Salzmann, Manfred Bröcker, Dieter Meyer, Gerhard Ritgen und Reinhard Schintze.

Danke allen für die großen und kleinen Hilfen, ohne die diese Fahrt nicht möglich geworden wäre und die hier nicht namentlich aufgeführt wurden.

Reinhard Schintze

Gänsewanderfahrt nach Gut Kragenhof bei Spiekershausen

Am 16.11.13, einem nebligen Samstagmorgen bei Temperaturen nur wenig über dem Gefrierpunkt, an dem nach Möglichkeit jeder geneigt ist, lang auszuschlafen und es sich sodann im trauten Heim gemütlich zu machen, fanden sich 19 Unentwegte aller Altersklassen im Bootshaus ein. Anlass war der Aufruf, an einer Wanderfahrt zum Gut Kragenhof mit anschließendem Gänseessen im Bootshaus teilzunehmen.

Nachdem vier Boote startklar gemacht worden waren, ging es zur ersten Herausforderung, der in Reparatur befindlichen Kasseler Schleuse, die ein Umtragen der Boote erforderlich machte. Unter Anleitung der erfahrenen Wanderruderer Rudi Meister und Johanna Wenzel waren die Boote bald wieder in Richtung Spiekershausen unterwegs.

Beim Anlegen der Boote am Ufer der Gutswiese unter Mithilfe des Gutsbesitzersohns Julian Merz wurde erstmals klar, warum die Fahrt unter dem Motto „Gänsewanderfahrt“ stand. Das Verlassen der Boote war aufgrund der Hinterlassenschaften von unzähligen Gänsen eine glitschige Angelegenheit.

Im Gutshof konnten wir uns bei einem heißen Kaffee aufwärmen und köstlichen Biokuchen genießen. Wieder bei Kräften erhielten wir von Julian einen ausführlichen Bericht über die historische Entwicklung des Gutes von der Errichtung eines Klosters bis hin zum heutigen erfolgreichen Ökobetrieb. Bei einem anschließenden Rundgang konnten wir das Anwesen besichtigen und erfahren, dass die dortigen Räumlichkeiten für Feiern aller Art sowie Projektwochen mehrerer Kasseler Schulen genutzt werden. Einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt des Gutes trägt die Gutsbäckerei bei, in der ausschließlich Backwaren aus kontrolliert biologischem Anbau hergestellt werden.

Auf der Rückfahrt hatte sich der Nebel gelichtet und die letzten Sonnenstrahlen des Tages tauchten die Fuldalandschaft in ein goldenes Licht. Bei Einbruch der Dunkelheit wurden die Boote gereinigt und eine heiße Dusche genommen. Am Gänsebuffet ließen wir es uns schmecken und hatten Gelegenheit uns mit weiteren Ruderkameraden im regen Gespräch auszutauschen.

Gert Perzig

HRV-Wanderfahrt auf der Weser (Hann. Münden bis Hoya)

„Rudern bei Sonnenschein – für alle ein Gewinn!“

Ende August 2013 richtete der Ruderverein Kurhessen-Cassel 1890/1911 e.V. für den Hessischen Ruderverband eine Wochenwanderfahrt auf der Weser aus. An dieser Fahrt nahmen 17 Teilnehmer aus Kassel, Darmstadt, Frankfurt und Rüsselsheim teil. Von Hann. Münden bis Hoya waren insgesamt knapp 300 Kilometer auf dem Wasser zurück zu legen. Da die Weser über eine gute Strömung verfügt, wurden den Teilnehmern auch Tagesetappen von bis zu 70 Kilometern abverlangt. Die Ruderinnen und Ruderer trafen sich in Kassel, wo die Boote verladen und zum Startpunkt Hann. Münden gebracht wurden. Bei dieser Tour übernachteten wir in der Regel in Bootshäusern oder in Hotels. Einzig in Stolzenau gab es ein gemeinsames Quartier. Wir hatten dort Logis im Haus der Nationen, eine – wie sich herausstellte – empfehlenswerte Adresse.

Die Fahrtenleitung hatte sich vorgenommen, dass bei dieser Tour neben dem Sport in der Natur auch die Geselligkeit und die Kultur nicht zu kurz kommen sollten. Für den kulturellen Teil übernahm Dagmar Wendrich-Moritzen die Verantwortung. Sie organisierte u.a. einen Zwischenstopp am Kloster Bursfelde, wo wir die Wandgemälde aus dem 11. Jahrhundert betrachteten. Als ein Glückfall erwies sich hier wieder einmal die Teilnahme von Karl-Heinz Saur, der aus seinem umfangreichen geschichtlichen Wissen interessante Neuigkeiten zum Objekt und zu dessen geschichtlichen Bedeutung beisteuern konnte. Zur Mittagsrast legten wir an dem öffentlichen Steg hinter der Straßenbrücke in Bad Karlshafen an. Zum Picknick gab es Wurst, Käse, Obst, Joghurt und Getränke. Die erste Tagesetappe endete in Höxter.

Auf dem weiteren Weg in Richtung Holzminden kamen wir am Kloster Corvey vorbei. Auch hier wollten wir einen Zwischenstopp einlegen. Da der öffentliche Steg, der sich hier einmal befand, nicht mehr existierte, fuhren die drei Vierer weiter. Die im Mittelalter als einflussreiches geistiges und politisches Zentrum bekannte Reichsabtei konnten wir daher nicht besichtigen. Der Landdienst wartete an dieser Stelle vergeblich auf „seine“ Jungs und Mädels. An diesem Tag endete die Tour in Bodenwerder bei Flusskilometer 111, dem Heimatort von Lügenbaron Münchhausen und Aschenputtel. Quartier nahmen wir im 20 Kilometer entfernten Hameln. Am Abend schlenderten wir durch die dortige Altstadt. Sehr empfehlenswert in der Rattenfängerstadt ist ein Frühstück im Bootshaus des WSV Weser Hameln.

Am dritten Tag dieser Tour ruderten wir relativ wenig. Die Fahrtenleitung hatte für den Nachmittag eine Stadtführung geordert. Nach nur 23 Kilometer legten wir wieder an. Po und Hände, die sich vereinzelt durch Blasen oder Druckstellen bemerkbar machten, dankten für die kurze Zeit auf dem Rollsitz. Unsere Tour durch Hameln gestaltete eine Ruderkameradin aus Hameln kurzweilig und interessant. Für einige Teilnehmer sicherlich neu waren die Deutungen zur Rattenfängersage. Basiert der Kinderzug auf der seinerzeit von Niederdeutschland ausgehenden Ostkolonisation? Waren die „Kinder von Hameln“ tatsächlich Jung-Bürger, die von adligen Territorialherren oder Lokatoren im 13. Jahrhundert zum Siedeln im Osten angeworben wurden? Mit netten Gesprächen unter einem Baum im Innenhof des Pfannkuchenhauses klang dieser milde Augustabend aus.

Die Schleusung in Hameln verlief reibungslos. Wir hatten keine langen Wartezeiten. Dies war auch gut, denn immerhin wollten wir heute bis nach Minden rudern. Das waren 70 Kilometer. Pausiert wurde in Rinteln. Auch an diesem Tag begegneten uns kaum Boote. Die Weser ist auf ihren ersten 200 Kilometern ein Eldorado für Freizeitkapitäne. Kurios war auf dieser Etappe der Abstand zwischen den Flusskilometersteinen 171 und 172. Der alte DRV-Wanderruderführer meint, hier sei der kürzeste Flusskilometer. Die aktuellen Infos des DRV sprechen vom längsten Kilometer. Als die Weser vermessen wurde, begann man in Hann. Münden und Bremen gleichzeitig mit den Arbeiten. Als beide Vermessungstrupps zusammentrafen, stellte sich heraus, dass die Strecke zwischen den beiden zuletzt gesetzten Kilometertafeln 1,6 statt 1 Km lang war. Man behalf sich dadurch, dass man am linken Ufer über 1000 m hinaus alle 100 m eine Buchstabentafel zur Markierung (A-F) setzte. Bei Flusskilometer 198 durchbricht die Weser die Jura-Schichtstufe des Wiehengebirges. Der Fluss tritt in die Norddeutsche Tiefebene ein. Kaiser-Wilhelm-I blickt hier von seinem Denkmal aus ins flache Land. Beim Ruderverein Minden endete diese lange, anstrengende Etappe. Für eine Tour durch die Stadt Minden hatten wir keine Zeit, denn schließlich mussten wir heute noch zu unserem Quartier nach Stolzenau reisen.

Ab Minden wurden die Tagesetappen wieder kürzer. Improvisation ist auf Rudertouren manchmal angesagt. Der Steg des Rudervereins Stolzenau war zwar noch begehbar, der Wasserstand der Weser machte aber eine Einfahrt in den Schutzhafen und somit ein Anlanden bei den Ruderern unmöglich. Daher legten wir beim Kanuverein Stolzenau an. Zuvor hatten wir jedoch ein Problem mit der Schifffahrtsverwaltung zu lösen: Über das Schleusentelefon wurde uns zunächst mitgeteilt, dass Ruderer in Schlüsselburg die Bootsrutsche zu passieren haben. Dort angekommen lasen wir auf der Hinweistafel, dass die Rutsche nur mit Booten zu passieren ist, die schmaler als 1,20 Meter sind. Unsere dicke Chasalla sprengte jedoch dieses Maß. Wir parkten daher im Oberwasser der Bootsrutsche rückwärts aus und fuhren zur Bootsschleuse. Die Fahrtenleitung informierte die Schifffahrtsverwaltung über das Schleusenservicetelefon in Minden, dass wir die Bootsrutsche nicht passieren konnten. Daraufhin erhielten wir die Erlaubnis zur Nutzung der Schleusen. Jetzt nach Minden nutzten auch einige Frachtschiffe die Weser. An diesem Tag verkürzten wir die Tour. Die letzten beiden Kilometer bis zur Schleuse Landesbergen verschoben wir auf den nächsten Tag.

Ohne allzu lange Wartezeit passierten wir am letzten Rudertag die Schleusen Landesbergen und Drakenburg. Die drei Vierer fanden hinter der Berufsschifffahrt noch ein Plätzchen in den jeweiligen Schleusenkammern. Für den Landdienst gestaltete sich die Anfahrt zum Ruderverein in Nienburg besonders schwierig. Dort wird ein neues Schwimmbad gebaut. Der Weg zum Ruderverein, der ohnehin immer eng ist, war für Gespanne unpassierbar. Zum Glück fanden Dagmar und Stephan einen freien Parkplatz, wo sie den Hänger abstellten. Hier endete für einen Vierer die Fahrt, zwei Vierer fuhren weiter bis zum Ruderverein Hoya. Bei Flusskilometer 298,8 hieß es dann „Ruder halt, Wende über Steuerbord, anlegen, Boote reinigen und verladen“. Da alle mit anfassten, waren die Ausleger rasch abgeschraubt und die Boote ruckzuck vom Dreck gereinigt.

Als wir am nächsten Tag wieder in Kassel ankamen, legten wir die Boote und das Zubehör wieder in die Hallen. Nach einer Stärkung im Restaurant Bootshaus löste sich das Ruderteam wieder auf. Ein Dank ging an die Rudergesellschaft Kassel 1927, die uns ihr Boot „Leine“ zur Verfügung stellten und an den Casseler-Frauen-Ruderverein, von dem wir einen Kleinbus mieteten. Ein besonders Lob erhielten – nicht nur von mir – Dagmar und Fritz-Ludwig Moritzen. Mit beiden leitete ich diese Fahrt. Es war für mich ein sehr angenehmes Teamwork. Zum Erfolg dieser gemeinsamen Ruderwoche haben ganz besonders die lieben Ruderkameradinnen und Ruderkameraden beigetragen, die stets präsent waren, wenn es galt mit anzupacken. Alle setzten sich für ihre Mitfahrer ein. „Mit Euch macht es Freude auf Reisen zu gehen!“

Euer Fahrtenleiter Stephan Gerlach